Wer war Shakespeare?

 Wilfried Augustin

SYNESIS Nr. 2/2011

(Nur Text)

 

Die Kontroverse ist bekannt. Man streitet sich darum, wer eigentlich die Person hinter dem Namen Shakespeare war.

William Shakespeare war ein Sohn aus einem bürgerlichen Hause, wie wir heute sagen würden. Sein Vater soll ein Handschuhmacher aus Stratford gewesen sein. Als solcher hätte er niemals über die Bildung verfügt, die zum Schreiben seiner Dramen erforderlich gewesen wäre – so meinen die Kritiker. Also muss Shakespeare ein Künstlername gewesen sein für eine Person, die das Wissen und die Bildung hatte, aber aus gesellschaftlichen oder anderen Gründen nicht schreiben wollte oder durfte. Aber, wer war das?

Besonders krass bringt es der Autor  Georges Bourbaki aus München  auf den Punkt, der in unserer SYNESIS 2/2005 einen Artikel zu diesem Thema schrieb. Ich zitiere Herrn  Bourbaki:  

 „Zur Einleitung vielleicht Folgendes: Über die Frage, wer die berühmten Stücke von William Shakespeare geschrieben habe, die bis in unsere Tage hinein überall auf den Bühnenbrettern dieser Erde zur Aufführung gelangen, gibt es seit Jahrhunderten einen sehr heftigen Streit,

 

indem die so genannten „Stratfordianer“ behaupten, er wäre ein ehrenswerter Bürger aus der Ortschaft von „Stratford-upon-Avon“ gewesen,
 

während die so genannten Häretiker bzw. Anti-Stratfordianer Kandidaten wie Lord Bacon, den Grafen von Oxford, den Earl von Derby, den Earl von Ruthland oder selbst Christopher Marlowe vorschlagen, wobei der Letztere den großen Nachteil besitzt, dass er viel zu früh, d.h. bereits 1593 ermordet worden war.

Über die vorhandene Thematik sind in den letzten Jahrhunderten tausende von Büchern und Zeitschriftenartikel geschrieben worden, sodass mit dieser ganzen Literatur eine Bibliothek gefüllt werden könnte.“

„Darüber hinaus darf nicht übersehen werden, dass der ganze Shakespearekult um Stratford-upon-Avon mittlerweile zu einer weltweit agierenden Industrie geführt hat, welche zahllose Andenkenverkäufer, Touristenführer, Professoren, Buchautoren und Verleger finanziert. Wer könnte also schon diese „intellektuellen Postkartenverkäufer“ von ihren angestammten Verkaufsständen vertreiben?

Trotzdem, was wir über diesen William Shakespeare an Konkretem wissen, ist trotz zahlloser Recherchen äußerst mager. Mark Twain hat die vorhandene Situation einmal wie folgt umrissen: „Die Biografien Shakespeares erinnern an den Brontosaurier, welchen man im Museum von New York bewundern kann: einige kleine Knochenfragmente, um welche herum eine Rekonstruktion unter Einsatz einer Tonne von Gips vorgenommen wurde.“

„Wenn man sich mit der Frage der wahren Autorschaft den Stücken von William Shake­speare annähern will, so ist zuerst einmal festzustellen, dass 14 der 36 Stücke aus dem ersten Folio von 1623 ganz oder teilweise in Italien spielen, der Autor dieser Stücke somit Italien relativ gut gekannt haben musste, und das Land dem zufolge in einer gewissen Weise auch geliebt und geschätzt hatte.“

„Was aber ist mit diesem Herrn aus Stratford-upon-Avon? Nicht nur, dass es keinen einzigen Hinweis gibt, dass er während seines Lebens auch nur ein einziges Mal im Ausland gewesen war - nicht einmal eine Reise nach London lässt sich eindeutig belegen -, so ist es auch nicht einmal sicher, ob dieser Will Shakespere aus Stratford jemals Schreiben und Lesen gelernt hatte. Eindeutig belegen lässt sich nämlich nur das Folgende:

 

Die Eltern von William Shakespere aus Stratford-upon-Avon, John und Maria Shakespere waren Analphabeten, was seinerzeit in England auf dem Lande durchaus üblich war.
 

Judith, die jüngere Tochter von William Shakespere war ebenfalls Analphabetin, denn sie unterschrieb Dokumente mit einer Marke. Die ältere Tochter Susanne, welche mit einem Arzt verheiratet war, schaffte gerade noch die eigene Unterschrift. Aber für sehr viel mehr reichte es anscheinend auch nicht.“

Usw. usw. Bitte lesen Sie den Artikel in SYNESIS 2/2005 nach.

Über diesen Artikel sprach ich damals mit Helen Moorwood, von der ich wusste, dass sie über William Shakespeare recherchiert. Stammt doch Herr Shakespeare aus ihrer unmittelbaren Heimat.

Stimmt alles nicht, meinte sie: „Shakespeare ist  Shakespeare!“ Ich werde ein Buch darüber schreiben.

Dieses Buch steht jetzt vor der Fertigstellung. Damals versprach mir Helen Moorwood einen Artikel für unsere SYNESIS, quasi auch als Gegendarstellung zum Artikel von Georges Bourbaki. Dieser Artikel liegt jetzt vor. Wir freuen uns, ihn nachfolgend zu bringen und danken bei dieser Gelegenheit recht herzlich für ihre mühevolle Recherche.

Dezember 2010, Wilfried Augustin

 

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